Am frühen Morgen brach der Zigeuner sein Lager ab und trottete über die offene Landstraße davon, um Ruhe vor Braken Hurters mächtigen Hüften, die ihn aufrieben, zu finden. Sie lief in ihrem Zimmer auf und ab. Die Arme verschränkt, das Gesicht gelangweilt.
"Jetzt habe ich mich schon drei Wochen in meinem Zimmer eingesperrt. Keine Suppe. Kein Sex. Nichts, seitdem der Zigeuner weggelaufen ist. Er ist weggelaufen wie ein Feigling. Ich hätte wissen sollen, daß seine Lenden dem nicht gewachsen sind. Aber eine leckere Brühe hat er gekocht. Seufz... O je, aber nicht mehr für mich. Ich brauche etwas, das mich von Suppe und Sex ablenkt. Vielleicht ein Hobby. Ja, das ist es. Ein Hobby, das sehr zeitaufwendig und kompliziert ist."
Sie schaute durch ihr Fenster und sah eine Nachtigall, die auf der Dachrinne entlangbalancierte und lieblich sang.
"Das ist eine gute Idee, auf die du mich gebracht hast, oh forscher Vogel. Ein Musikinstrument. Das wird mein Hobby, mit dem ich mir mein Hirn betäube. Ich werde ein Musikinstrument lernen. Aber welches? Am besten frage ich Sperma Vater."
Sie sprang hinunter in den Keller, wo der Alchemist zwischen alten Büchern und Reagenzgläsern saß und verschiedene Zutaten mischte.
"Sperma Vater, welches Musikinstrument ist das beste für mich?" fragte sie.
"Die Tin Whistle", sagte er.
"Haben wir eine?"
"Ja."
"Und wo ist sie?"
"Eine Besenkammer ist für manche Aladins Höhle. Ein Fluch für das Gedächtnis anderer."
Nach ein paar Monaten konnte die Tochter des Alchemisten ziemlich gut auf der Tin Whistle spielen. Sie konnte "Three Blind Mice", "Hickory Dickory Dock", und eines Abends lernte sie "The Sailors Hornpipe".
"Ich habs geschafft", schrie sie. "Ich frage mich, ob ich die Kraft habe, wie der Rattenfänger von Hameln Kinder und Ratten in den Tod zu locken? Oder in meinem Fall tolle junge Männer dazu zu verführen, mir Suppe und Sex zu geben? Ein interessanter Gedanke. Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden. Ich werde morgen in die Grundschule gehen und vor kleinen Jungs auf dem Spielplatz spielen."
Das tat sie. Aber ohne Erfolg. Als die Jungs sie spielen hörten, erbrachen sie ihr Mittagessen und furzten.
Sie wurde kreidebleich. Sie heulte und stampfte mit den Füßen auf. Wütend rannte sie nach Hause zu ihrem Vater.
"Sperma Vater, Sperma Vater! Warum zieht meine Musik andersgeschlechtliche Jungs nicht an? Warum? Warum? Warum?" fragte sie.
"Erstens, du hast kein Talent", sagte der Alchemist, "Zweitens, du hast keine Technik. Zeig mal, wie du deine Triller spielst."
"Ich mache diddel, diddel, diddel, Sperma Vater."
"Ist doch ganz klar, was du falsch machst. Dein Mittelfinger an deiner rechten Hand ist zu weich. Mache ihn steif oder ersetze ihn durch etwas Steifes. Einen Moment lang dachte sie wehmütig nach.
"Schön, Sperma Vater...", sagte sie verzagt.
"Ja?"
"Kannst du mir in deiner Metallschmelze einen Metallfinger formen?"
"Hier ist einer, den ich vorhin gemacht habe", sagte er und gab ihr einen steifen, rostfreien Stahlfinger.
"Oh danke", Braken Hurter rannte hoch in ihr Zimmer. Mit großer Freude betrachtete sie den falschen Finger und beäugte ihren eigenen mit gerunzelter Stirn.
"Ich brauche dich nicht, du nutzloses Ding", zischte sie.
Sie öffnete die oberste Schublade ihrer Kommode und legte den Mittelfinger ihrer rechten Hand zurecht. Dann knallte sie mit ihrem linken Fuß die Schublade zu. Sie riß das Fingerglied von Muskeln und Sehnen ab.
"Nichts verkommen lassen", sagte sie, stopfte den abgetrennten Finger in den Mund und vernaschte ihn. Sie fand einen Topf mit Kleber und befestigte den Metallfinger an seinem Platz.
"Hahaha. Das wird mir starken männlichen Halt verschaffen." Und das tat es.