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The World of Ming

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Rauferei bei Dichterlesung

Vor zwei Wochen war ich zu einer Dichterlesung eingeladen. Eine Dichterlesung, die von einer jungen Frau mit dem Namen Riwka organisiert wurde. Sie macht eine kleine Lyrikzeitschrift, die Kanonenfutter heißt. Viele unbekannte und berühmte Dichter sind darin vertreten. Ein gutes Heft für Leute, die unkonventionelle Lyrik mögen. Der Abend versprach ein Abend mit erstklassiger Literatur zu werden. Es wurde ein Blutbad.

Als ich ankam, traf ich meine Freunde hinten an der Bar. Ich holte mir schnell ein Bier. Im Publikum waren alle still und hörten gespannt und aufmerksam dem Dichter zu, der aus einem seiner Werke vortrug. Sein Name war Dan Power, und er las Gedichte über seine Kindheit.

ªOh wär ich wieder jung.

Als ich weder Füße noch Schuhe hatte.

Ich tänzelte über Wiesen hohen grünen Grases,

auf Händen und Knien.

Bis ich Mädchen traf

und ihnen unter die Röcke sah.

Oh wär ich wieder jung.

Als ich zwei Säcke Kartoffeln

im Kirchgang heben konnte,

ohne zu schwitzen oder zu stöhnen.

Jetzt bin ich alt.

Ich bin dreißig, und nun muß ich sterben.

Oh wehe mir!

Wehe, wehe, wehe.´

Dan endete, und alle klatschten höflich. Wissend und zustimmend nickten sie mit den Köpfen, so wie Dichterpublikum es immer tut. Dann las Dan Power noch ein Gedicht.

ªDas nächste Gedicht´, sagte er, ªheißt ›Der Schuppen des Lebens‹´.

ªAls ich jung war.

Die großen Jungen aus der Schule brachten mich hinter den Schuppen und zogen mich nackend aus.

Mit einem Taschenmesser häuteten sie meinen Hintern

bis er rot war.

Danach gaben sie mir meine erste Zigarette.

Oh wehe mir!

Wehe, wehe, wehe´

Dan beendete seinen Auftritt. Die Leute klatschten höflich, bis Riwka auf die Bühne sprang und den nächsten Dichter vorstellte. Ein kleiner Kerl mit schütterem Haar und dem Namen Matt Twig. Er sprach mit weicher, aber fester Stimme. ªHallo Kinder´, sagte er. ªIch bin Matt Twig und und ich will, daß ihr zuhört, weil ich den Klang meiner eigenen Stimme mag. Ich bin sehr bewandert in den Werken von Shakespeare, Shelley und Keats. Laßt mich euch mit meiner Geisteskraft beeindrucken. Dieses Gedicht handelt vom Kühemelken im Kriegsgebiet. Es heißt ªWer hat meine Milch verschüttet´:

ªIch wußte nichts von den Pferden.

Ich wußte nichts vom Esel.

Aber einst war ich Bürger.

Und äße ich Sauerkraut, furzte ich wie verrückt,

und schiß mir in die Hosen.

Manchmal schiß ich zehn Tonnen Schiß in meine Unterwäsche.´

Matt Twig trug mehrere Gedichte und Lieder vor. Danach gab es eine kurze Pause, es wurden Platten aufgelegt, und alle gingen an die Bar. Ich hatte Zeit, um mich mit meinen Freunden über John Zorn und Frank Zappa zu unterhalten. Ich merkte nicht, daß das Publikum sehr viel trank und immer lauter wurde. Als ich auf die Bühne ging, um meine Gedichte und Lieder vorzutragen, waren sie alle betrunken und desinteressiert. Ein Typ war so blau, daß er mehrmals über mich und meine Gitarre fiel. Dann kamen vier Rausschmeißer, schnappten ihn und wollten ihn gerade vor die Tür werfen, als Riwka herbeisprang, um ihn zu retten. Offensichtlich war es ihr Freund. Sie stürzte sich mit fliegenden Tritten und Karateschlägen auf die Rausschmeißer. Die Rausschmeißer reagierten, indem sie Tische und Stühle gegen sie verwandten. Die Polizei wurde gerufen. Tränengas wurde eingesetzt. Ich packte meine Gitarre ein und verschwand überstürzt. Ich setzte mich in ein Taxi, gerade als das Gebäude in Flammen aufging und Militärhubschrauber Napalm auf die Leute unten sprühten. An diesem Abend bekam ich keine Gage.


Sexton Ming

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