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The World of Ming Verzeichnis in Englisch

Im Pub

Auf der Holloway Road in London gibt es ein riesiges Pub, das mal ein Kino war. Es ist groß und geräumig. Dort werden einige hundert verschiedene Faßbiere angeboten. Viele Sorten auch in Flaschen. Die Angestellten hinter dem Tresen sehen sehr adrett aus in ihren blauen Hemden. Sie verkleckern niemals Alkohol und geben immer das richtige Wechselgeld. Die Innenräume des alten Kinos sind mit Fotografien berühmter Filmstars geschmückt. So wie Judy Garland oder Ginger Rogers, die zeigt, was sie an Bein hat, Clark Gable und vielen anderen.

An zwei gegenüberliegenden Wänden in der Nähe des Hinterausgangs werden zwei Helden aus Islington, so heißt dieser Stadtteil, gewürdigt. Zwei schwule Ikonen. An der einen Wand hängen mehrere Bilder von Joe Meek. Das ist der Mann, der "Telestar" erfunden hat. Das war der absolute Knüller in den frühen sechziger Jahren. Er brachte sich um, aber vorher brachte er seine Vermieterin um. Großartige Sache.

An der anderen Wand hängen Bilder von dem berühmten Bühnenautor Joe Orton. Er schrieb Stücke wie "Loot", "Entertaining Mr. Sloane" und "What the Butler saw". Er wurde von seinem Liebhaber Kenneth Halliwell ermordet. Großartige Sache. Ich gehe in das Pub, kaufe einen halben Liter "Director's" und setze mich. Ich trinke gerne vier halbe Liter während des Tages und vier weitere am Abend bevor ich anfange zu schreiben. Die Flüssigkeit bewirkt, daß ich mich fühle wie ein König. Ein warmer, tröstender Nebelschleier.

Es gibt viele Iren in dem Pub, und einen davon treffe ich auf der Toilette. Er stolpert ans Pißbecken, pißt sich die Hosen voll und bekommt einen Wutanfall. Er dreht sich zu mir um. "Verdammte Zigeunerärsche. Kommen dahergelaufen und bepissen mich von oben bis unten." "Sie haben zu viel getrunken", sage ich. "Ja, da kannst du recht haben", sagt er, "aber diese scheiß Zigeuner haben mir schon wieder ans Bein gepinkelt". "Dann sollten Sie sich besser umbringen", empfehle ich ihm, "dann kann das nicht mehr passieren". Das macht er. Er wirft sich durch eine Glastür. Während er am Boden liegt und verblutet, fährt ein Wohnwagen voller Zigeuner vorbei. Sie steigen aus, und scheißen auf ihn drauf. Ein tragisches Ende für einen alten Mann.

Ich setze mich, um in Ruhe und Abgeschiedenheit mein Bier zu trinken. Doch mein Frieden wird von donnerndem Maschinengewehrfeuer zunichte gemacht. Es ist der lachende Mann, auch einer aus dem Viertel. Der lachende Mann lacht immer laut. Er ist glücklich, zu glücklich. Er entdeckt an allem eine lustige Seite. Nichts kann ihn fertig machen. "Hahaha, ich habe Krebs im Endstadium. Hihihi meine Frau hat mich verlassen, hohoho mein Haus wurde gepfändet." Ja, nichts verdirbt ihm die Laune, sein anstrengendes Lachen hallt durch das alte Kino und bohrt sich ins Trommelfell. Nach meinem dritten halben Liter taucht eine andere Figur auf. Es ist die lüsterne Lady. Sie setzt sich neben mich und sieht mir in die Augen. Sie ist besoffen. Sie grabscht nach meiner Hand und beißt mir die Fingernägel ab. Dann redet sie. Sie sagt: "Mein Freund hat mich aus seiner Wohnung geworfen. Kann ich bei dir bleiben. Wir können ins Bett gehen." "Aber Sie sind eine Frau ohne Geschlecht", sage ich. "Ich weiß", sagt sie. "Das kann passieren, wenn man uneheliche Kinder hat. Aber ich habe immer noch Titten." Ich entschuldige mich, sage, daß ich schwul bin wie Joe Orton und Joe Meek und gehe. Ich werde wiederkommen, um zu trinken. An einem anderen Tag. Heute nicht mehr.

Sexton Ming

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