Neujahr
Es gibt eine besondere Zeit im Jahr, in der Leben endet und wiedergeboren wird. Man nennt sie Neujahr. Manchen Tieren, Fischen und Insekten, wie auch gewissen Naturvölkern im Regenwald bedeutet Neujahr nichts. Für sie ist es ein Tag wie jeder andere. Für den Stadtbewohner dagegen ist es die Zeit, in der er über die Vergangenheit nachdenkt und erneut einen Blick in die Zukunft wagt.
So auch Jimmy Nuggit, Autor fetischistischer Lätzchengeschichten, der eines Tages im Jahr 1998 eine neue Agentin suchte und fand. Am Telefon hatte sie eine rauchige, sexy Stimme. Als er sie zum ersten Mal leibhaftig traf, war er jedoch bitter enttäuscht. Sie war ein riesiger Erdwurm. Wie hat diese Erfahrung auf ihn gewirkt? Er warf sich durch eine Glastür und masturbierte dabei. Für Jimmy Nuggit war es kein gutes Jahr.
Andere dagegen hatten ein gutes Jahr. Zum Beispiel Trixie Hatchet. Sie traf ihren zukünftigen Ehemann im Garten, als er hinter einem Busch saß und ein paar Hühnchen grillte. "Wer bist du?" fragte sie schüchtern. "Ich bin dein zukünftiger Ehemann", erwiderte der Mann. "Heirate mich, und ich werde fettige Hühnchen in alle deine Handtaschen stopfen." Es war Liebe auf den ersten Blick.
In der Stadt freut sich jedermann auf das neue Jahr. Es ist ein Anlaß, um wilde Parties zu feiern. In den riesigen Supermärkten von Calais kauft man Hektoliter an Bier, Wodka und Brandy und verschifft sie nach England. Außerdem werden Pizzas, Würste und Käse gekauft, um den Alkohol aufzusaugen.
Einige feiern am Brunnen auf dem Trafalgar Square, wo viele nach dem Genuß größerer Mengen Alkohol untergehen und sterben. So wird Platz geschaffen für diejenigen, die am Neujahrstag geboren werden. Aber wir wollen eine Person genauer betrachten und sehen, wie sie das neue Jahr begrüßt. Nehmen wir Tom Flange. In seinem Haus, das noch immer mit Weihnachtslichtern, Weihnachtskarten, Lametta und natürlich dem guten alten Weihnachtsbaum geschmückt ist, heißt er seine Gäste willkommen. Als erster Gast trifft ein gewalttätiger Schotte aus Glasgow ein. "Ich will einen verdammten Drink", verlangt er. "Gib mir sofort einen Drink, sonst zermatsch ich dir die Eier." Tom führt ihn in die Küche, in der die Getränke aufgereiht sind. Der Schotte kippt zwei Flaschen Pernod herunter und tut sich an einer Schale Erdnüsse gütlich. Mehr Gäste treffen ein. Mr. Bucket der Krüppel. Er ist lebensmüde und sucht sich eine stille Ecke, in der er diskret Selbstmord begeht. So diskret, daß es niemand bemerkt. Maggie und Matilda, zwei Lesben mit Dildos zum Umschnallen, tauchen auf. Sie schnappen sich einen Flasche Absolut-Wodka und eilen ins Badezimmer, wo sie Liebe machen, während sich der Schotte neben ihnen erbricht.
Aus der Stereoanlage dröhnen 80er Jahre-Hits, die Leute unterhalten sich. "Welche Pläne haben Sie für das neue Jahr?" fragt ein Mann eine hübsche Frau. "Ich möchte die Welt mit meiner Pisse regieren", sagt sie, lüpft ihren Rock und feuert einen Urinstrahl auf ihn ab. Er wird in der Magengrube getroffen. Der Wasserdruck ist so hoch, daß er ihn durch eine Glastür schleudert.
Bis es Mitternacht ist, sind alle tüchtig betrunken und glücklich. Der Teppich ist voller Bierflecken. Die Wände sind mit Pizza beschmiert. Alle versammeln sich, um zu singen, sich zu umarmen und zu küssen. Dann, Schlag Mitternacht, heben sie ihre Gläser und trinken auf das neue Jahr. Doch ohne ihr Wissen, bewegt sich weit draußen im Weltall ein riesiger Meteorit von ein paar hundert Kilometern Durchmesser auf die Erde zu. Er wird sie alle umbringen. Frohes neues Jahr.
Sexton Ming
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