Ming erzählt

jungewelt


 

The World of Ming

Verzeichnis

in Englisch

"Die geheime Jägermeister-Mine"

Übersetzung: Conny Lösch

Nachdem sie zehn Packungen Salz-und-Essig-Chips gegessen hatte, war die kleine Kirsty sehr, sehr durstig.

'Mama', jammerte sie. 'Hast du was zu trinken? Ich bin echt total durstig.'

'Nein', sagte ihre Mutter. 'Es ist nichts zu trinken im Haus.'

'Nicht mal ein Glas Wasser?'

'Der Brunnen ist trocken. Es ist für niemanden von uns Wasser da.'

'Hast du keine Milch in deinen Brüsten, die ich saugen könnte?'

'Wasch dir den Mund mit Seife aus, mein Kind. Meine Brüste sind schon vor Jahren vertrocknet. Ich fürchte, es gibt überhaupt keine Flüssigkeit für uns. Wir werden alle an Austrocknung sterben. Du muß hinausgehen in die große weite Welt und Wasser oder irgendeinen Ersatz finden, bevor wir alle sterben. Geh jetzt.'

Die Mutter stieß ihre junge Tochter zur Haustür hinaus und schlug sie hinter ihr zu.

Also lief Kirsty in den kalten frostigen Morgen hinaus. Sie lief über Hügel und Berge, um Wasser oder etwas ähnliches zu finden. Sie ging an einem Feld vorbei, auf dem eine Kuh lag und Gras kaute.

'Hallo, Frau Kuh', sagte Kirsty freundlich. 'Könnte ich bitte etwas von Ihrer Milch trinken?'

'Du mußt zuerst mit mir kämpfen', sagte die Kuh. 'Ohne eine schöne Schlägerei, bekommt niemand von mir Milch. Ich hab’ schon ausgewachsene Männer mit bloßen Händen getötet.'

Kirsty blieb nicht stehen, um sich mit der Kuh zu streiten. Das war mehr, als sie verkraften konnte, fand sie. Also ging sie weiter. Sie lief Meilen um Meilen. Nirgendwo war Wasser oder etwas zu trinken in Sicht. Bis sie auf einem grasbewachsenen Hügel einen riesengroßen alten Baum entdeckte. Er war kahl. Keine Früchte oder Blätter. Sie waren schon vor Jahren verschwunden. Der Baum war seit langem tot. Da war ein riesiges Loch in seinem Stamm. Und über dem Loch war ein hölzernes Schild angenagelt, auf dem stand: 'Mine'.

'Hmm', dachte Kirsty. 'Minen sind unterirdisch. Und unter der Erde gibt es manchmal Wasser.'

Sie trat in den Baum ein. Eine steinerne Wendeltreppe lud sie ein hinunterzusteigen. Sie schlängelte sich meilenweit in die Tiefe hinab. Unten angekommen sah sie, daß eine riesige Höhle vor ihr lag, dunkel und modrig. Durch die Düsterkeit hindurch sah sie etwas funkeln. Es war eine Flasche, dunkelgrün mit einer schwarzen Flüssigkeit darin. Sie betrachtete das Etikett. 'Jägermeister' stand drauf.

'Ich bin so durstig, ich könnte an Auszehrung sterben', sagte Kirsty, öffnete die Flasche und glickerte das Getränk hinunter. Kirsty seufzte erleichtert und wischte sich die Tropfen vom Kinn.

'Aaah. Das ist so gut.'

Dann, als sich ihre Augen an das Licht gewöhnt hatten, erkannte sie, daß sie von Hunderten und Tausenden von Jägermeisterflaschen umgeben war. Aber bevor sie eine weitere öffnen konnte, sah sie zwei Gestalten auf sich zu schlittern. Es waren zwei Frauen mit nackten Brüsten und langen Fischschwänzen, grün und schuppig. Es waren Meerjungfrauen, und sie hatten Baseballschläger dabei.

'Wer wagt es, die heilige Jägermeistermine zu betreten?' schrie die eine wütend.

'Wir schlagen dir die Fresse ein', sagte die andere.

'Tut mir leid, daß ich euch gestört habe, und bitte entschuldigt, daß ich eine Flasche von eurem Schnaps getrunken habe. Aber ich war so durstig, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen.'

Als die Meerjungfrauen sahen, daß es nur ein kleines Mädchen war, legten sie ihre Baseballschläger hin.

'Tut uns leid, wenn wir dir einen Schrecken eingejagt haben, kleines Mädchen. Wir sind Meerjungfrauen, und wir beschützen diese Schnapsmine. Ich bin Mable. Und das ist Mip.'

'Ja', sagte Mip.

'Mein Name ist Kirsty. Ich bin meilenweit gereist, um Wasser zu finden. Ist es vielleicht möglich, noch eine Flasche von eurem Jägermeister zu trinken? Ich bin nämlich immer noch durstig.'

'Du kannst so viele Flaschen trinken, wie du willst', sagte Mable. 'Aber zuerst muß du uns einen Gefallen tun. Wir werden nämlich von diesem bösen Monster gequält. Es ißt gern fischige Sachen. Und weil wir Meerjungfrauen sind, will es unsere Schwänze essen. Hier gab es noch eine dritte Meerjungfrau, die Mushy hieß, aber sie wurde bei lebendigem Leib verspeist. Das Monster hat nur ihre Titten übrig gelassen. Wenn du uns helfen kannst, diesen bösen Tyrannen zu vernichten, geben wir dir so viele Flaschen, wie du willst. Aber sei vorgewarnt, das Monster ist groß, stark und häßlich. Es hat ein riesiges Gebiß mit scharfen spitzen Zähnen und Klauen wie Rasierklingen.'

'Ja, und hier kommt es schon', schrie Mip.

Kirsty hielt vor Entsetzen den Atem an, als der dunkle Schatten von irgend etwas Riesengroßem auf vier Beinen an der Wand der Höhle sichtbar wurde. Dann erschien es. Es war eine kleine weiße und getigerte Katze. Sie schnurrte und miaute. Kirsty war erleichtert und verliebte sich sofort in die Katze.

'Töte es! Töte es!' schrien die Meerjungfrauen.

'Nein', sagte Kirsty. 'Es ist doch nur eine kleine Katze, die sich verlaufen hat.'

'Was ist eine Katze?' fragte Mip.

'Ich werde die Katze mit zu mir nach Hause nehmen, damit sie euch nicht mehr belästigt', sagte Kirsty.

'Du nimmst das Monster mit nach Hause?' sagte Mable. 'Na, du traust dich was. Hier. Nimm soviel Jägermeister, wie du willst.'

Glücklich lief Kirsty nach Hause. Sie hatte Taschen voller Jägermeisterflaschen dabei, um sie ihren Eltern zu schenken. Und was sie besonders glücklich machte, war ihr neues Haustier, die weiße und getigerte Katze.

Kirstys Mutter und Vater tranken und tranken.

'Aaaah, das ist guter Stoff', seufzten sie.

'Mum', sagte Kirsty. 'Hast du ein bißchen Milch in deinen Brüsten für meine Katze?'

'Wasch dir den Mund mit Seife aus Kind. Ich bin schon vor Jahren vertrocknet.'


Sexton Ming

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