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Die Heroinklink.
Von Sexton Ming
Jim saß im Warteraum der Klinik. Er war recht zuversichtlich,
daß er den Job bekommen würde.
»Über zehn Jahre lang war ich Junkie«, dachte
er bei sich. »Aber seit zwei Jahren bin ich sauber. Ich
bin da rausgekommen, ich hab überlebt. Anders als meine
Freunde. Ich hatte Glück, jawoll. Ich hab mir jeden
Pfennig in den Arm gejagt, dabei hätte ich ein Haus haben
können, einen Job und einen Firmenwagen. Wenn ich keine Hauptvene
fand, hab ich mir einen Schuß in den Augapfel gesetzt.
Wenn ich zu Parties ging, verbrachte ich Stunden auf dem Klo.
Kam raus mit offenem Gürtel, die Hose hing mir an den Knien,
und ich hatte mir die Rübe weggeballert.
Diese Zeiten liegen hinter mir. Ich habe überlebt. Zehn Jahre
Erfahrung. Jetzt ist es an der Zeit, diese Erfahrung zu nutzen
und anderen zu helfen. Und als ich die Anzeige in der Zeitung
sah, daß eine christliche Organisation Berater für
die Rehabilitierung von Junkies sucht, dachte ich, das ist richtig
für mich. Das ist meine Berufung.«
Mrs. Traffic trat aus dem Befragungszimmer.
»Hallo, Mr. Meersburger. Tut mir leid, daß Sie warten
mußten. Würden Sie bitte ins Befragungszimmer kommen.«
Jim ging hinein und setzte sich. Vor ihm saßen vier Mitglieder
der christlichen Gemeinde, alle trugen schicke Anzüge. Jim
fühlte sich in seinen Stiefeln und Jeans unwohl.
»Also, Mr. Meersburger«, sagte einer von ihnen. »Weshalb
glauben Sie, daß Sie qualifiziert sind für den Job?«
»Naja«, sagte Jim und überschlug selbstbewußt
die Beine. »Ich war selbst zehn Jahre lang heroinabhängig.
Aber jetzt bin ich sauber und möchte meine Erfahrungen in
Ihrer Klinik einbringen, um anderen zu helfen.«
Ein mißbilligendes, angewidertes und ungläubiges Raunen
ging durch die Viererrunde.
»Oh Gott«, sagte einer. »Wir können doch
keinen Ex-Junkie mit anderen Junkies reden lassen. Wer weiß,
was passiert.«
»Er würde die anderen Junkies ermutigen, noch mehr
Heroin zu nehmen«, sagte ein anderer.
»Die Klinik wäre voller schmutziger Nadeln«,
sagte der dritte.
»Und was ist dann mit unserem Glauben an Jesus Christus?«
fragte ein der vierte.
»Tut mir leid«, sagte Mrs. Traffic. »Sie sind
für den Job nicht geeignet. Vollkommen ungeeignet...«
Jim ging nach Hause. Desillusioniert... er fing wieder an zu spritzen...
Der nächste Anwärter für den Job war Jason Fridge.
Jason war ein leidenschaftlicher Bibelleser. Er hatte nette Eltern.
Er hatte eine schöne Zeit in der Schule gehabt.
»Also«, sagten die vier Mitglieder des Gremiums in
der Klinik. »Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem Leben
gemacht?«
»Naja«, sagte der kleine Jason. »Ich hab
jeden Tag die Bibel gelesen. Und ich trage eine rosarote Brille.«
»Das ist schön«, sagte das christliche Gremium.
»Und welche Erfahrungen haben Sie mit Heroinabhängigen
gemacht?«
»Ich hab eine Platte von Velvet Underground«, sagte
Jason.
»Sehr gut,« sagte die christliche Gesellschaft. »Sie
haben den Job.«
Zwei Wochen später war Jason ein Junkie.
PAus dem Englischen von Conny Lösch
Sexton
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