Gasomas,
böser Mann (I).
Von Sexton Ming
Mr. Gasomas saß in der tiefsten Vorstadt in seiner Doppelhaushälfte,
zwei Zimmer oben, zwei unten, gemütlich im Sessel am
Kaminfeuer. Um die Füße war es ihm warm und behaglich,
er paffte an seiner Pfeife.
Er betrachtete Ferienkataloge während ihm Mrs. Gasomas
auf dem gemütlichen Sofa gegenüber saß und
eine Wolljacke in den Farben Rot und Grün strickte. Der
windgepeitschte Regen schlug an diesem kalten, dunklen Winterabend
wie die Spucke eines Riesen gegen die Fenster.
»Hast du dich für einen Ort entschieden, an dem
wir im nächsten Sommer unsere Ferien verbringen, Schatz?«
fragte Mrs. Gasomas und sah von ihrem Strickzeug hoch.
»Möglicherweise in Dorset«, murmelte Mr.
Gasomas, ein Mann von zweiundsechzig mit grauem Haar.
»Das wäre doch schön«, sagte seine Frau.
Sie schwiegen. Der Reisewecker auf dem Kaminsims tickte stetig
vor sich hin.
»Soll ich Musik auflegen, Schatz?« fragte seine
Frau nach einer Weile.
»Das wäre schön, Liebling«, sagte Mr
Gasomas, der noch immer die Ferienkataloge durchblätterte.
»Soll ich deine Lieblingsplatte auflegen?« fragte
sie, ließ ihre halbfertig gestrickte Jacke auf das Sofa
fallen und ging hinüber zu der alten Hifi-Anlage von
Philipps aus den siebziger Jahren.
»Ja. Prince Charming von Adam and the Ants«,
schlug er vor. Seine Frau legte die Single auf.
»Prince Charming, Prince Charming.«
Mr. Gasomas wippte mit dem Fuß und rauchte seine Pfeife.
Mr. und Mrs. Gasomas gingen um zehn zu Bett, wie gewöhnlich.
Mrs. Gasomas hielt sich die Wärmflasche, die ihr Mr.
Gasomas gemacht hatte, dicht an die Brust. Mr. Gasomas schlug
sein Buch über die Geschichte der Rasenmäher zu
und knipste die Nachttischlampe aus.
»Gute Nacht, Frau«, sagte er, als er sich zum
Schlafen bereit machte.
Um zwei Uhr morgens schaltete er das Licht wieder an. Er setzte
sich im Bett auf. Mit angestrengtem, entschlossenem Gesichtsausdruck
ließ er einen Furz, der dreißig Sekunden dauerte.
Er konnte die Bettfedern knarzen hören. Dann drückte
er den Kopf seiner ahnungslosen Frau unter die Bettdecke und
hielt ihn dort fest. Sie schlug mit den Armen um sich, als
er sie zwang, seine Schwefelwasserstoffe einzuatmen. »Jesuschristus.
Das stinkt nach Eiern«, hörte man sie heulen. Mr.
Gasomas lachte frech und hielt sie, so lange er konnte, unter
der Decke fest.
Am nächsten Morgen kam Gasomas runter in die Küche.
Seine Frau briet das Frühstück.
»Morgen Frau«, sagte er und zog einen Stuhl heran.
»Hallo, Schatz. Möchtest du was essen? Ich habe
dir vier Eier gebraten.«
»Eier tun mir gut. Anordnung vom Arzt.«
Sie stellte ihm einen Teller mit Eiern und Toast hin. »Wieso
stehen da Koffer im Flur, Liebling?« fragte sie.
»Das hab ich dir gestern abend erzählt«,
sagte er und schluckte ein ganzes Ei runter. »Ich fahre
nach Dorset in Urlaub.«
»Aber es ist Winter, Schatz.«
»Mir egal. Das ist ein Abenteuer.«
»Darf ich nicht mitkommen?«
»Nein. Ich will mich von deiner ständigen Gegenwart
ein für allemal befreien.«
»Wie kommst du denn hin? Mit dem Zug?«
»Nein. Ich hab mir gedacht, ich fahre.«
»Aber wir haben kein Auto.«
»Ich leih mir eins. Ich gehe zur Hertz-Autovermietung
und hol mir eins.«
Gasomas, böser Mann (II)
Was bisher geschah: Mr. und Mrs. Gasomas führen eine
glückliche Ehe in der friedlichen Vorstadt, doch über
Nacht offenbart sich der wahre Charakter des Haushaltsvorstands:
Gasomas ist ein böser Mann.
Mr. Gasomas lief durch den
Nieselregen an die Bushaltestelle. Im Wartehäuschen saß
ein Mann im Anzug mit einer Aktentasche. Offensichtlich arbeitete
er in einem Büro. Eine Mutter mit einem neun Monate alten
Baby im Kinderwagen saß ebenfalls dort. Und ein sehr
alter Mann um die achtzig Jahre, der vor Kälte zitterte
und seinen Krückstock fest umklammert hielt.
»Wer sind Sie?« fragte Gasomas den alten Mann.
»Ich hab im Krieg gedient«, antwortete er.
»In welchem?«
»In beiden.«
Gasomas drehte sich um und drückte dem alten Mann seinen
Hintern ins Gesicht, hob ein Bein und furzte.
»Aahhhh, Senfgas«, schrie der alte Mann und griff
sich ans Herz.
»Falsch. Eier«, sagte Gasomas und schlug ihn zu
Boden.
»Hahaha. Ein Rentner weniger in Chelsea.«
»Gut gemacht, Sir«, sagte der Bürotyp. »Für
Leute wie den, muß ich Steuern zahlen.«
»Grrr«, knurrte Gasomas. Wut stieg in ihm hoch.
Aber es gelang ihm, seinen Zorn zu unterdrücken, bis
er zur Autovermietung kam.
»Herzlich Willkommen bei der Hertz-Autovermietung«,
sagte ein rosawangiger Firmenvertreter. Gasomas schlug auf
den Empfangstresen und auf die Computer dahinter.
»Tun Sie das nicht, Sir«, sagte der Firmenvertreter.
»Halts Maul. Hol den Geschäftsführer
und die Belegschaft, und zwar sofort.« Bevor irgend
jemand merkte, was los war, hatte Gasomas alle am Boden gefesselt.
»Töten Sie uns nicht, Sir«, flehte der Geschäftsführer.
»Nehmen Sie unser Geld. Suchen Sie sich ein Auto aus.
Aber töten Sie uns nicht.« Gasomas ignorierte ihn.
Statt dessen goß er einen Kanister Benzin über
allen aus.
»Warum tun Sie das?« fragte der Geschäftsführer
und machte sich naß.
»Weil ich ein böser Mann bin«, sagte Gasomas
und zündete ein Streichholz an.
»Frau, ich hab das Auto. Pack die Koffer ein. Sofort,
hab ich gesagt.«
Die arme Mrs. Gasomas hob zögernd ein paar Koffer an.
»Warte«, sagte Gasomas und hielt die Hand hoch.
»Ich muß mein Buch befragen.« Er blätterte
eine in Leder gebundene Ausgabe von Marquis de Sades »Die
hundertsechzig Tage von Sodom« durch.
»Wollen mal sehen. Tag neunundzwanzig. Ah ja, das ist
es.« Seiner Frau zugewandt verkündete er: »Du
sollst beim Beladen des Wagens Nippelklemmen tragen.«
P Aus dem Englischen von
Conny Lösch