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Geschichten gegen Bildung,
Literatur und guten Geschmack P Gänse im Weltraum(1). Von
Sexton Ming
Das Weltraumteleskop der NASA sendete Bilder von einem weit entlegenen
Planeten auf die Erde. Die Wissenschaftler untersuchten die Bilder
sorgfältig.
»Sieht aus, als bestünde der ganze Planet aus reinem
Gold«, meinte einer.
»Sie haben recht«, sagte
ein anderer. »Meine mathematischen Berechnungen bestätigen
das.«
»Wir müssen sofort den Präsidenten informieren.«
Der Präsident wurde informiert.
»Meine Herren«, sagte er, »Wissenschaftler haben
einen Planeten aus reinem Gold entdeckt. Das ist eine großartige
Gelegenheit für Amerika. Wenn wir uns das Gold holen, dann
werden wir das reichste Land der Welt. Wir könnten zum Beispiel
England kaufen. Unser Reich wird länger bestehen als das
der Römer. Sagen Sie bei McDonalds Bescheid, daß
wir das dreißig Kilometer lange Firmenlogo später auf
dem Mond installieren. Sagen Sie der NASA, daß sie sofort
ein Raumschiff auf diesen Planeten schicken sollen.«
Sechs Monate später hatte die NASA ein Raumschiff gebaut.
Sie mußten nur noch Astronauten finden, die es fliegen würden.
»Es ist zu gefährlich, Menschen auf diesen Planeten
zu schicken«, sagte ein Wissenschaftler.
»Wieso«, fragte ein anderer.
»Ich habe festgestellt, daß die Atmosphäre aus
reinem Kohlenmonoxid besteht. Ein Mensch würde innerhalb
von Sekunden nach der Landung sterben.«
»Dann müssen wir wohl ein paar Tiere ins Weltall schicken.«
»Nicht unbedingt. Wir könnten einen Computer bauen,
der das Schiff zu dem Planeten leitet. Wir könnten einen
Roboter bauen, der das Gold ausgräbt und das Schiff wieder
auf die Erde zurückführt.«
»Ja, aber mir gefällt die Vorstellung, Tiere in den
sicheren Tod zu schicken.«
»Ok. Was für Tiere nehmen wir?«
»Gänse. Ich hasse Gänse. Als Kind bin ich mal
von welchen angegriffen worden.«
»Dann schicken wir ein paar Gänse hoch. Bloß
so zum Spaß. Hahaha.«
Der Tag des Raketenstarts war gekommen. Gerty und Berty, die beiden
Gänse saßen festgeschnallt in der Rakete.
»10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1, Start.«
Die Rakete zischte hoch in den Weltraum.
Geschichten gegen Bildung,
Literatur und guten Geschmack P Gänse im Weltraum (2). Von
Sexton Ming
Was bisher geschah: NASA-Wissenschaftler fanden Gefallen an der
Vorstellung, die Gänse Gerty und Berty in den sicheren Tod
zu schicken, setzten sie in ein Raumschiff und schickten sie auf
einen weit von der Erde entfernten Planeten, der aus reinem Gold
zu bestehen schien. »Was machen wir hier eigentlich in diesem
Raumschiff, Berty?« fragte Gerty.
»Wir sollen zu diesem Planeten fliegen, der aus Gold besteht,
das Gold ausgraben und zurückbringen.«
»Wie sollen wir das denn machen, wir sind doch Gänse.«
»Woher, zum Teufel, soll ich das wissen.«
»Ich wünschte, der Planet würde aus Brot bestehen.
Ich esse gerne Brot.«
Drei Wochen lang reisten sie mit Lichtgeschwindigkeit. Schließlich
landeten sie auf dem goldenen Planeten. Die Berechnungen der Wissenschaftler
waren vollkommen falsch. Die Atmosphäre bestand nicht aus
Kohlenmonoxid, sondern aus gutem alten Sauerstoff.
Berty und Gerty kletterten aus dem Raumschiff und liefen herum.
»Guck dir mal das ganze Gold an«, sagte Gerty.
»Ja, Scheiße ist das«, meinte Berty. »Ich
wünschte, es wäre Brot.«
»Es ist Brot«, ertönte eine fremde Stimme aus
einem Krater. Heraus sprang ein Alien. Er trug weiße Shorts,
eine Weste und anstelle seiner Arme kamen zwei Hälse mit
zwei Köpfen daraus hervor.
»Wir sind die Mungo-Brüder, und das hier ist unser
Planet Zorax. Seid ihr das, was wir unter Menschen verstehen?«
»Nein, wir gehören zur Familie der Gänse«,
sagte Gerty.
»Gut«, sagten die Mungo-Brüder. »Denn mit
unserem intergalaktischen Bildprogramm haben wir die Menschen
auf der Erde untersucht und sind zu der Erkenntnis gekommen, daß
das alles gierige, verranzte und verwanzte Arschlöcher sind.
Wir haben unseren Brotplaneten golden angemalt, denn wir wußten,
daß sie ihre Zeit und ihr Geld verschwenden würden,
um hierher zu kommen. Wir dachten, dann hätten wir mal richtig
was zu lachen. Wir wollten ihre Gesichter filmen, wenn sie herausfinden,
daß es bloß Brot ist. Aber jetzt seid ihr Gänse
statt dessen hier. Ihr seid herzlich willkommen zu bleiben und
mit unserem Volk auf dem Planeten zu leben.«
»Danke, aber lieber nicht«, sagte Berty. »Wir
fahren lieber wieder in den Ententeich, wo wir hingehören.
Aber wir hätten gerne etwas Brot, denn wir sind hungrig.«
»Hey, wir haben da eine Idee«, sagten die Mungo-Brüder.
»Auf der Erde erwarten sie, daß ihr Gold mitbringt.
Wäre es nicht lustig, wenn ihr statt dessen Brot bringt.
Das würde die echt fertigmachen.«
Also taten sie das. Als Berty und Gerty auf der Erde landeten
und der Präsident der Vereinigten Staaten Millionen Tonnen
verschimmelten Brotes entdeckte, schrie er: »Penicillin?!
Ihr unverschämten Gänse.«
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