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in Englisch

Tieressenz

Übersetzung: Conny Lösch

Geschichten gegen Bildung, Literatur und guten Geschmack P Tieressenz. Von Sexton Ming
In einem Reformhaus mit dem Namen »Gandolfs Garten« wurde neben Biobohnen, makrobiotischem Schmierkäse und Karotten ein neues Produkt einer Firma namens »Zukunftsmond« verkauft. Diese Produkte enthielten angeblich die Essenz bestimmter Tiere. Wenn man den Flüssigduft anzündete, würde die Kraft und Stärke des Tieres auf einen selbst übergehen.
Die »Essenz von Gänsen« zum Beispiel sollte einem einen guten Orientierungssinn und Führungsqualitäten verleihen. Die »Essenz von Katzen« sollte den Konsumenten unabhängig und neugierig machen. Die Produkte von »Zukunftsmond« verkauften sich wie warme Semmeln zu sieben Pfund für eine kleine Flasche. New-Age-Frauen waren ganz besonders davon bezaubert.
»Ich muß eine Flasche Elefantenessenz haben. Ich habe ein schrecklich schlechtes Gedächtnis. Die Essenz wird mir helfen, damit ich nicht vergesse, Tofu einzukaufen.« »Das ist eine tolle Idee, Regenbogen«, sagte die eine Frau zu der anderen. »Ich nehme eine Flasche Schlangenessenz. Ich muß sexueller werden im Bett.«
In der Zwischenzeit fand bei der Firma »Zukunftsmond« eine Vorstandssitzung statt. »Wir haben Nachforschungen angestellt, wer unsere Produkte kauft«, sagte Jim Gum, der Verkaufsplanungstyp. »Und wir haben festgestellt, daß das vor allem alberne Hippiefrauen sind.«
Alle im Vorstandszimmer lachten. »Hahaha. Die werden schon merken, was sie von ihrer alternativen Lebensweise haben.« »Wir wollen den letzten Penny aus ihnen herausquetschen«, meinte ein anderer. »Die merken nicht, daß wir einfach nur Wasser mit billigem Brandy mischen, das Ganze auf einem Acker stehenlassen, bis ein paar Tiere dran vorbeilatschen«, sagte Dave Donut, der Chef der Produktherstellung. »Wir bringen sie dazu, diesen Scheiß zu kaufen, so daß sie ihre Kinder nicht mehr ernähren können. Wir hassen alleinerziehende Mütter, stimmt’s?«
Alle jubelten.
»So hätte es Margaret Thatcher auch gemacht«. Victor Jaguar trat ein, und es wurde still im Raum. Er war der Boß.
»Ich bin der Boß«, schrie er. »Nur damit ihr das nicht vergeßt!« Victor Jaguar donnerte Jim Gum seine Faust ins Gesicht.
»Also«, fuhr Victor fort, »ich habe eine neue Auswahl an Tieressenzen. Essenz vom Schwein für die magersüchtigen New-Age-Frauen. Ich werde meine Hippieklamotten anziehen und mit einer Lösung aus billigem Brandy und Wasser eine Schweinefarm besuchen.« Genau das tat Victor.
Auf der Schweinefarm stellte Victor einen Plastikeimer voll Wasser-Brandy-Mischung im Schweinestall ab. Die Schweine waren neugierig. »Was macht der Hippie da?« fragte eines. »Keine Ahnung. Los, fragen wir ihn.«
Victor erklärte, was er tat. »Ihr müßt nur eine halbe Stunde lang um den Eimer rumlaufen, und die Essenz eures Geistes wird in die Flüssigkeit einsickern. Meine Firma verkauft dann das ganze für sieben Pfund die Flasche.«
»Von dem Geld wollen wir auch was sehen«, sagte ein Schwein.« »Du kriegst unseren Geist nicht umsonst.« »Natürlich nicht«, lachte Victor. »Ich werde jedem einzelnen von euch einen Scheck über zehn tausend Pfund schicken. Morgen gehen die Schecks in die Post.«
»Zehntausend Pfund«, sagte eines der Schweine aufgeregt. »Davon könnte ich mir das schickste Soundsystem kaufen.« Monate verstrichen, aber die Schweine bekamen keine Schecks der Firma »Zukunftsmond«.
Inzwischen machte die Firma Millionenprofite. Sie stellte immer mehr Produkte her. Eichhörnchenessenz für Leute mit Nußallergie. Essenzen vom Regenwurm für Leute, die sich einen grünen Daumen für ihre Rosenzucht wünschten.
Allen diesen Kreaturen wurden riesige Geldsummen versprochen, aber sie sahen niemals auch nur einen Penny.
Dann eines Tages im Vorstandszimmer. »Ich, Victor Jaguar, habe mir das Produkt einfallen lassen, das sich am allerbesten verkaufen wird. Essenz vom Bullen. Es soll Stärke verleihen. Das wird das bestverkaufte Produkt zu zwanzig Pfund die Flasche.« »Was hast du den Bullen versprochen, wieviel wir ihnen bezahlen werden?« fragte Dave Donut. »Eine Million.« Alle lachten. »Davon kriegen die niemals einen Penny zu Gesicht.«
Und so war es. Die Bullen warteten monatelang, aber es kam kein Scheck. »Die haben uns abgezockt«, sagte Galioff zu seinem Kumpel Zerkon. »Trau niemals einem Hippie«, sagte Zerkon. Andere Tiere wie die Schweine, Gänse und Regenwürmer beschwerten sich ebenfalls. »Dieser Hippie von der Firma ›Zukunftsmond‹ hat jedem von uns Würmern zehntausend versprochen.« »Er ist kein Hippie«, hörte man eine Stimme. Die Tiere wandten sich um. »Randos!« riefen sie. Es war Randos, der Bulle. »Ich kenne den Mann sehr gut. Das ist kein Hippie. Er ist ein Konservativer, und er heißt Victor Jaguar. Los, kommt, wir müssen ihn und seine New-Age-Firma zerstören.«
Im Vorstandszimmer rauchten Victor und seine Männer Zigarren, aßen Kaviar und tranken Champagner. »Hahaha«, lachte Victor. »Wir haben einen Doppelknaller gelandet. Wir haben nicht nur die ganzen alleinerziehenden New-Age-Mütter abgezockt, sondern auch noch die ganzen Tiere.«
Plötzlich flog die Tür aus den Angeln. Herein trat Randos mit allen Tieren. Victor war entsetzt. »Schnell«, schrie er. »Begeht Selbstmord.« »Warum?« fragten seine Männer. »Das ist Randos, der mächtigste Bulle des Universums. Ich werde durch diese Fensterfront springen und hoffentlich unten am Geländer aufgespießt werden«, sagte Victor und tat, was er sagte. Die anderen schluckten Zyankalikapseln.
»Hurra, Randos«, riefen alle Tiere, als sie die Profite der Firma »Zukunftsmond« untereinander aufteilten.

Sexton Ming

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